Menschen sagen, Mitten in der Nacht würde manch einer zum Poet. Doch bei einem besonderen Menschen, da bedarf es keiner speziellen Uhrzeit. Da bedarf es auch keiner besonderen Umstände. Weil die Person bereits besonders ist.

Ich erinnere mich an unsere Gespräche, die meist mitten am Tag anfingen und am Abend fortgesetzt wurden. Bis in die Nacht hinein. Hin und wieder gar in den Morgen.
Wir lagen da, sprachen über alles; über Gott und die Welt. Wir erwähnten alles, haben uns alles erzählt. Bei manchen Themen, da braucht manch anderer Schnaps oder Wein, doch bei uns, ja, bei uns, da musste keins von beidem sein.

In manchen Momenten beschwerten wir uns über alles. Einfach alles. Es gab kein ‚Schwarz oder Weiß‘. Es gab nur Schwarz. Bei uns war besagtes Schwarz meist gar dunkelschwarz.
Wir lebten in einer, für andere, unsichtbaren Realität, in welcher es weder Ort, noch Zeit gab.
In manchen Momenten erschien uns alles aussichtslos. Trostlos. Hoffnungslos.
Und wir, wir erschienen uns hilflos.

Doch du, du warst diese Art von Mensch, welche selbst in den negativsten Situationen einen Witz auf den Lippen trug und versuchte, all die Dunkelheit mit Humor zu bekämpfen. Deine Augen weinten, doch dein Mund, er lachte. Und es war nicht wenig Dunkelheit, welche es abzuhalten galt. Doch du hast es getan. Du tatest es für uns beide, doch mehr für mich.

„Alles wird gut“, flüstertest du mir zu, als ich kraftlos auf dem Boden lag und spürte, wie sich mir der Hals immer schneller und immer weiter zuschnürte. „Alles wird gut“, sagtest du, als sich meine Adern mit Eiseskälte füllten.
Bei jedem anderen Menschen hätte ich nicht weiter zugehört. Diesen Satz nicht ernstgenommen. Mit dem Kopf geschüttelt. Sie mit einem unerbittlichem Blick gestraft. Mich verschlossen. Wogegen es bei dir anders war.
Aus deinem Munde klang dieser Satz real, im Bereich des Möglichen. Er klang warm. Kräftigend. Er gab mir Halt. Du gabst mir Halt.
Und es wurde besser. Es wurde wieder ‚gut‘.

In manchen Momenten beschwerten wir uns über alles. Einfach alles. Es gab kein ‚Schwarz oder Weiß‘. Es gab nur Schwarz. Bei uns war besagtes Schwarz meist gar dunkelschwarz.
Doch in manchen Momenten, da war all das einfach egal. All das, es war egal, es war nicht von Belang. Es war nicht wichtig. Wir motivierten uns, spendeten einander Kraft und Trost. Waren füreinander da. Waren jeweils für den anderen das sogenannte ‚Licht in der Dunkelheit‘.
Wir waren unbeschwert, wir hatten Spaß und neckten uns, doch niemand nahm es dem anderen übel, denn wir wussten, wie wir ticken.

Wir hassten und verdammten unser Leben, doch gleichzeitig feierten wir und lebten, als gäbe es kein Morgen. Wir lachten stundenlang, bis wir mit Tränen in den Augen einschliefen. Wir haben gelacht und geweint, doch all das, all das, das taten wir zu zweit. Selbst dann, wenn wir nichts hatten, hatten wir uns.
Wir genossen die Zeit, die wir hatten. Wir hatten Freude, wir hatten Spaß – obwohl wir beide wussten, dass wir wieder fallen würden, fallen in das Dunkelschwarz, wenn unser Gespräch endete. Früher oder später. Weil wir nicht allein sein konnten. Weil wir einander brauchten. Weil einer allein nicht so stark ist, wie zwei.
Nicht selten beschlossen wir nach unseren Gesprächen nicht aufzulegen, um uns nicht einsam zu fühlen. Einsam, verlassen und verwundbar. Schutzlos.
Nicht selten beschlossen wir, dass einer von uns damit beginnt, eine Geschichte zu erzählen, damit die Dunkelheit in uns weicht. Um ehrlich zu sein warst überwiegend du es, der mir eine Geschichte erzählen musste, da ich kein Mensch der vielen, gesprochenen Worte war. Nicht war und nicht bin.
Du sprachst meist von der Zukunft. Von der Zukunft, in der sich alles zum Guten wenden würde. Von der Zukunft, in der die Dunkelheit keine Chance hatte. Von der Zukunft, in welcher wir immer noch einander hatten, um Kraft zu tanken. Einen besten Freund an unserer Seite.

Manchmal, da waren wir zu allem bereit. Wir waren dazu bereit zu kämpfen, bereit für Wunden und Schmerz. Und bereit, am Ende zu siegen.
„Zusammen gegen den Rest der Welt“, so sagtest du. „Zusammen schaffen wir alles. Zusammen stehen wir alles durch.“

Wir konnten uns aufeinander verlassen. Niemand ließ den anderen im Stich. Niemals.

Und nun liege ich hier und erinnere mich an unsere Gespräche, die meist mitten am Tag anfingen und am Abend fortgesetzt wurden. Bis in die Nacht hinein. Hin und wieder gar in den Morgen.
Wir lagen da, sprachen über alles; über Gott und die Welt. Wir erwähnten alles, haben uns alles erzählt. Bei manchen Themen, da braucht manch anderer Schnaps oder Wein, doch bei uns, ja, bei uns, da musste keins von beidem sein.